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NETZWERK „TATORTE RASSISTISCHER GEWALT IN DER BUNDESREPUBLIK“ - Neue Gedenk- und Lernorte: bezeugen, erkennen, handeln

Gedenkstätten und Mahnorte zu Rassismus und Antisemitismus sind zahlreich im Bundesgebiet zu finden. Überwiegend sind sie mit der Geschichte des Nationalsozialismus in Deutschland verbunden. Hingegen wird an Ereignisse der jüngeren deutschen Geschichte, an Taten, die in

den letzten Jahren aus rassistischen oder antisemitischen Motiven begangen wurden, vor allem in Form von lokalen Mahnmalen erinnert. Aufgrund ihrer Gegenwartsnähe müssen gerade diese Ereignisse über das Gedenken hinaus Ausgangspunkt für eine pädagogisch angeleitete Bewusstmachung des jeweiligen fundamentalen Widerspruchs zu den Werten unseres Grundgesetzes sein. Tatorte wie Mölln, Solingen, Hoyerswerda oder Rostock-Lichtenhagen, die Tatorte des NSU oder Istha bei Kassel, Hanau und Halle tragen die Möglichkeit zum lernenden Diskurs in gleicher Weise in sich wie die KZ-Gedenkstätten oder die zahlreichen weiteren Orte des NS-Terrors. Darüber hinaus weisen sie konkret und ganz direkt in unsere heutige Gesellschaft, ganz ohne die historische Vermittlung und Ableitung, die in den Gedenkstätten des NS-Unrechts erfolgen muss. Der Rassismus und der Antisemitismus dieser Taten nehmen uns alle direkt und unmittelbar in die Verantwortung. Sie konnten in unserer Gesellschaft, unter unseren Augen geschehen. Es ist daher an der Zeit, in bundesweiter Perspektive regionale Mahn- und Lernorte zu Rassismus bedingten Gefahren unserer heutigen Gesellschaft einzurichten. Dabei müssen alle diese Orte und Taten in einen Zusammenhang gestellt werden, der über das Mahnen oder Gedenken hinausgeht und ein gemeinsames, werte- und verantwortungsorientiertes Lernen zum Ziel hat.

 

So ergibt sich...

  • ein Netzwerk von Mahn- und Lernorten in Deutschland, die durch rassistische oder antisemitische Taten der jüngeren deutschen Geschichte bekannt und verbunden sind
  • Mahn- und Lernorte, die auf einem einheitlichen Konzept für Jung und Alt zu den Phänomenen von Rassismus und Antisemitismus aufbauen und jeweils die lokalen Ereignisse dazu in einen konkreten Zusammenhang stellen
  • Mahn- und Lernorte, die aufeinander verweisen und so als ein bundesweites Netz Zeugnis ablegen über Rassismus und Antisemitismus in unserer Gesellschaft
  • Mahn- und Lernorte, die in Zeiten wachsender Ressentiments auch durch die Verknüpfung mit Kunst und Kultur Kräfte gesellschaftlichen Zusammenhalts entfalten, so dass auch bisher nicht erreichte gesellschaftliche Gruppen einen Zugang finden.

Dies wäre eine moderne Gedenkstättenkultur, die ganz unmittelbar mit unserer Gegenwart korrespondiert und die Werte unseres Grundgesetzes fördert. Ein solcher Verbund von Mahnorten kann wachsen und muss aufeinander verweisend mit pädagogischer und medialer Grundausstattung den jeweiligen Tatort in den Mittelpunkt stellen. Es entstünde ein Netzwerk, das direkt in aus unserer jüngsten Vergangenheit in die Gegenwart wirkt, nicht im Erinnern stehen bleibt, sondern fortlaufend für gesellschaftliche Fehlentwicklungen sensibilisiert.


Umsetzung der Idee eines bundesweiten Netzwerkes

Ein solches Netzwerk professioneller Mahn- und Lernorte muss mit den entsprechenden Sach- und Personalmitteln geplant und realisiert werden. In Mölln, wo diese Idee im 29. Jahr nach den Brandanschlägen entstanden ist, übersteigt dies die Möglichkeiten des Vereins Miteinander leben e.V. und auch der Stadt Mölln in finanzieller, fachlicher und räumlicher Hinsicht. Es bedarf der Bundes- und Landesebene, um eine derart umfassende Konzeption umzusetzen. Die Idee des Vereins wurde inspiriert vom Konzept der amerikanischen Gedenkstätte „Legacy Museum: From Enslavement to Mass Incarceration“ in Montgomery, Alabama. In lokalem Kontext wird ein internationales Thema pädagogisch fundiert und unter Verweis auf historische Zusammenhänge dargestellt. Rassismus und Antisemitismus werden in z.Tl. kleinstädtischem Zusammenhang an den Tatorten greifbar, z.B. am Brandhaus in Mölln oder der Synagoge in Lübeck oder Halle.