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Dialogprojekt „Mölln nach Mölln – Perspektiven und Botschaften?!“ findet einen erfolgreichen Abschluss

Im September hat das Dialogprojekt des Vereins Miteinander leben e.V. „Mölln nach Mölln – Perspektiven und Botschaften?!“ seinen Abschluss gefunden. Über einen Zeitraum von rund zwei Jahren war intensiv über das Gedenken an die Möllner Brandanschläge und den Umgang mit Betroffenen in den zurückliegenden 30 Jahren gesprochen worden. Ziel des Dialogprojektes war dabei, einmal alle Perspektiven zum Gedenken an den 23.11.1992 zu beleuchten und zu Wort kommen zu lassen. An den insgesamt 7 Gesprächsrunden und drei Interviews beteiligten sich Betroffene aus der Ratzeburger Straße, Ibrahim Arslan als Überlebender des Brandanschlages in der Mühlenstraße, ehemalige und jetzige Amts- und Mandatsträger der Stadt, örtliche Zeitzeugen des Geschehens aus der engagierten Zivilgesellschaft und der Feuerwehr sowie Akteure, die das Gedenken über Mölln hinaus getragen und bewegt haben. Der Prozess wurde behutsam moderiert von Lars Hartwig aus Lübeck, der in einem ersten Schritt einzelne Gruppen berichten ließ, wie sie die Entwicklung der Gedenkkultur über die 30 Jahre für sich wahrgenommen haben. Diese Erzählungen bewegten sich in einem emotionalen Spannungsbogen, von Versäumnissen, Vergessen, Erinnern-wollen, einem Auseinandergehen, von getrennten Gedenkkulturen, die erwuchsen, von Sprachlosigkeit untereinander, auch von Unverständnis und Missinterpretationen.

 Eine Gesprächsrunde im Dialogprojekt „Mölln nach Mölln – Perspektiven und Botschaften?!“ tagt in der Internationalen Begegnungsstätte "Lohgerberei" © Verein Miteinander leben e.V. 

In dieser unübersichtlichen Gemengelage von Erzählungen, die sich trotz des Blicks auf den jeweils gleichen Prozess teilweise sehr unterschieden, erwies es sich für die Moderation als große Herausforderung, gemeinsame Linien zu finden, um die Gespräche im Anschluss auch miteinander führen zu können. Als Grundlage dafür war die konnte als kleinster gemeinsamer Nenner festgehalten werden, dass alle Gesprächspartner sich zur Notwendigkeit bekannten, dass es ein Gedenken an die Möllner Brandanschläge geben muss. Darin schwang auch bei vielen Gesprächsbeteiligten die Hoffnung und der Wunsch mit, auch wieder einen Weg zu einem gemeinsamen Gedenken zu finden.  

 

Belebend für Fortsetzung dieses Dialogprozesses erwies sich dabei eine unerwartete Intervention des Lübecker 'Haus der Kulturen'. Sie brachten zusammen mit Ibrahim Arslan die Idee ein, das Gedenken an der Möllner Brandanschläge in der Internationalen Begegnungsstätte 'Lohgerberei' fest zu verankern, mit einer Dauerausstellung, hauptamtlich betreuten, antirassistischen Bildungsprogrammen und vor allem mit Angeboten zum Empowerment für Betroffenen von Rassismus und Diskriminierung durch Betroffene. Von dieser Vision einer Neuausrichtung der Begegnungsstätte zu einem Zentrum des Gedenkens und der antirassistischen Arbeit in der Region ließen sich alle Beteiligten inspirieren. In einem gemeinschaftlichen und multiperspektivischen Prozess wurde ein umsetzungsreifes Konzept entwickelt, für das jetzt eine entsprechende Förderung gefunden werden soll.

 

Beide Bausteine dieses Konzeptes, eine Erinnerungskultur für die rassistisch motivierte Gewalttaten in der Bundesrepublik zusammen mit Betroffenen zu entwickeln und gemeinsam einen Ort für bildende und stärkende Antirassismus- und Antidiskriminierungsarbeit im ländlichen Raum zu schaffen, sind gleichsam modellhaft und innovativ. Dies lässt darauf hoffen, dass sich Fördermittelgeber dafür begeistern lassen.

 Im Dialogprojekt „Mölln nach Mölln – Perspektiven und Botschaften?!“ konnte zusammen mit Betroffenen eine gemeinsame Vision entwickelt werden © Verein Miteinander leben e.V. 

Mit diesem positiven Ausblick endet die Arbeit des Dialogprojektes und übertrifft damit alle Erwartungen, die sich im Vorwege mit dieser Projektidee verbanden. Es sind Wege der Gemeinsamkeit entdeckt worden, die es aus Sicht aller Beteiligter lohnt, weiter verfolgt zu werden. Damit konnte das Dialogprojekt auch die Erwartungen der Bundeszentrale für politische Bildung erfüllt werden, die diese Projektarbeit im Rahmen ihres Programms MITEINANDER REDEN über den gesamten Zeitraum gefördert hat. MITEINANDER REDEN ist ein Förder- und Qualifizierungsprogramm der politischen Bildung in ländlichen Räumen.

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Mi, 11. Dezember 2024

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