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Inputreicher Fachtag „Unterrichtsthema Antisemitismus“ an der Stormarnschule Ahrensburg

Über einen landesweiten Zuspruch konnte sich der Fachtag „Unterrichtsthema Antisemitismus“ des Projektes „ZUGÄNGE ERWEITERN – Bildungsnetzwerk Antisemitismus“ freuen. Rund 30 Lehrkräfte aus unterschiedlichen Schulstandorten waren der Einladung des Vereins Miteinander leben e.V. in die Stormarnschule Ahrensburg gefolgt, die sich in diesem Jahr als Gastgeberin des jährlichen Fachtages angeboten hatte. Gabriele Hannemann und Wencke Stegemann erläuterten einführend die Aufgabenstellung des Bildungsnetzwerkes und den entwickelten Zertifikatskurs, der über die Vermittlung von Basiswissen und Methoden basierend auf den Unterrichtserfahrungen des Vorgängerprojektes ZUGÄNGE SCHAFFEN zur Gestaltung von eigenständigen Unterrichtsangeboten an Schulen im ganzen Land befähigen soll.

 

Wencke Stegemann präsentiert die Wanderausstellung „Jüdisches Leben & Antisemitismus in Schleswig-Holstein – Eine Spurensuche“ © Verein Miteinander leben e.V.

 

Wencke Stegemann präsentierte dazu als Einstiegsmodul die Wanderausstellung „Jüdisches Leben & Antisemitismus in Schleswig-Holstein – Eine Spurensuche“. Diese wirft in 10 Roll-Ups Schlaglichter auf Antisemitismus und jüdisches Leben in Schleswig-Holstein, ohne den Anspruch einer umfassenden Darstellung. Sie soll vielmehr ein Schaufenster für mögliche Rechercheansätze sein und Schülerinnen und Schüler zu einer aktiven Auseinandersetzung mit Antisemitismus und jüdischem Leben motivieren. Im Zuge einer „Spurensuche“ werden sie aufgefordert, ihren sozialen Nahraum zu erforschen. Gab oder gibt es dort jüdisches Leben? Lässt sich dort Antisemitismus in Vergangenheit oder Gegenwart belegen? Die Ergebnisse ihrer Recherchearbeit sollen in einer Präsentation mit eigenen Worten und Bildern zusammengefasst werden. Daraus wird dann eine Erweiterung der Wanderausstellung gestaltet. Jedes weitere Ausstellungs-Roll-Up lässt die Ausstellung insgesamt wachsen und umfassender werden. Schüler*innen in ganz Schleswig-Holstein gestalten auf diese Weise und aus ihrer Perspektive gemeinsam eine facettenreiche Zusammenschau zur lokalen Geschichte und Gegenwart des Lebens von Jüdinnen und Juden in Schleswig-Holstein und zu den Erscheinungsformen von Antisemitismus in Schleswig-Holstein.

 

Im Anschluss berichtete Karin Heddinga von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme unter dem Titel "(Ur-)Opa war kein Nazi" zum Umgang mit NS-Täterschaften in Familien und Gesellschaft. Als Teamerin des Gesprächsseminares „Ein*e Täter*in in der Familie?“ gab sie Einblicke in ihren methodischen und organisatorischen Erfahrungshorizont bei der Aufarbeitung von Tätergeschichten. Diese seien zum Verständnis der Shoa unabdingbar, so Heddinga, gerade weil sie so vielfältig seien und erklären könnten, wie dieses Menschheitsverbrechen überhaupt möglich wurde, vor allem durch die aktive Mitwirkung vieler Menschen als Täter oder deren Unterstützer. Dass so in vielen Familien ganz konkrete Täterbeziehungen bestehen, die bis heute verschwiegen und tabuisiert wurden, beginnt gerade erst wirklich bewusst zu werden. Dachbodenfunde aus Nachlässen würden hier ganz häufig den Anstoß geben, sich mit den vermeidlichen Kriegsgeschichten der Großeltern oder Urgroßeltern intensiver zu befassen. Dabei würden viele Fragen aufgeworfen werden, die eine fachliche Begleitung unverzichtbar machen. Auch Schulklassen, so Karen Heddinga, können in dieser Weise in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme recherchieren und lud die anwesenden Lehrkräfte ein, die Bildungsangebote der KZ-Gedenkstätte intensiver zu nutzen.

 

Dr. Olaf Kistenmacher gab in seinem nachfolgenden Vortrag "Latente Formen des Antisemitismus der Bildungsarbeit" viele Hinweise für die pädagogische Arbeit im Umgang mit Äußerungen und Haltungen, die im ersten Augenschein wenig antisemitisch wirken, sich bei genauerer Analyse aber als solche enttarnen lassen. „Wir müssen das, was unterschwellig vorhanden ist, zuerst bewusst machen, um dann dazu bei unseren Teilnehmenden eine kritische Distanz dazu zu entwickeln“, beschrieb Dr. Kistenmacher die durchaus schwierige Aufgabestellung. Anhand konkreter Beispiele, wie verschwörungsideologischen Erzählungen,  bestimmten Formen von Kritik am Staat Israel oder auch die immer wieder festzustellende Aussage, dass Jüdinnen und Juden als „irgendwie fremd und andersartig“ wahrgenommen werden, obwohl ihnen im realen Leben kaum begegnet wird, zeigte er Möglichkeiten der pädagogischen Intervention und Aufklärung.

 

Im Rahmen des Fachtages nahmen auch Lehrkräfte aus Schleswig-Holstein teil, die gemeinsam eine Fortbildung an der International School For Holocaust Studies in Yad Vashem, Jerusalem im Januar 2023, besuchen. Gabriele Hannemann, als Leiterin der IQSH Reise gab noch aktuelle Informationen zur Reise sowie Informationen zu den Seminarinhalten.

 

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Veröffentlichung

Sa, 03. Dezember 2022

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